Delegiertentag 2024

Appell des Landesdelegiertentags 2024:

Berufskollegs stark für das nächste Jahrzehnt machen

Der vLw begrüßt das Bekenntnis der schwarz-grünen Landesregierung im Koalitionsvertrag, die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung weiter voranzutreiben. Sie schließt damit stringent an die von der Vorgängerregierung beschlossene „Agenda zur Stärkung der beruflichen Bildung“ an, aus der viele Maßnahmen bereits umgesetzt wurden.

Zu diesen vom vLw nachhaltig eingeforderten Ergebnissen gehören u. a.:

  • 750 neue Stellen für Berufskollegs, u. a. über 550 neue Stellen nach Anpassung der Schüler-Lehrer-Relation für Wirtschaftsgymnasien und über 80 neue Stellen für Schulverwaltungsassistenz (2022)
  • NRW-Übertragung des Abschlusses „Bachelor professional“ für Fachschulen (2021)
  • Gezielte Begleitung und Unterstützung während der Corona-Pandemie (exklusiver Sonderweg der Berufskollegs mit mehr Freiheiten während der Pandemie bis 2022)
  • Erhöhung der Fortbildungsbudgets in NRW nach Umsetzung des Digitalpakts (2022 u. 2023)
  • Ausbau des dualen Masters (2022)
  • Erweiterung des Angebots an Zertifikatskursen speziell für Berufskollegs

Dies sind aus Sicht des vLw erfreuliche Zwischenergebnisse, die in diesem und den folgenden Leitanträgen teilweise konkretisiert bzw. ergänzt werden.

Agenda II bzw. Masterplan „Berufliche Bildung“ für die nächsten Jahre

Der vLw fordert, die z. T. bereits 2020 formulierten Bildungsschwerpunkte ebenfalls umzusetzen und insbesondere bei den nachfolgenden Schwerpunkten rechtlich sowie ressourcenmäßig die Berufskollegs nachhaltig in den nächsten Jahren durch eine Agenda II bzw. einen Masterplan „Berufliche Bildung“ mit folgenden Handlungsfeldern zu stärken:

KI im Berufskolleg – digitale Transformation 4.2 (Leitantrag II), d. h., dass

  • der Einsatz von Werkzeugen künstlicher Intelligenz systematisch in allen Berufskollegs ermöglicht wird,
  • pädagogische Programme / Apps zur KI entwickelt und bereitgestellt werden,
  • eine stabile und leistungsfähige Netzwerk- und Cloudinfrastruktur und eine entsprechende technische Ausstattung für die Lehrenden zur Verfügung stehen,
  • eine befristete unentgeltliche Überlassung von digitalen Lernmitteln für Lernende ermöglicht wird,
  • Support und Administration der Hard- und Software in BKs durch professionelle Fachkräfte gewährleistet ist und
  • mehr BK-spezifische Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte erfolgen.

Arbeitsplatz im Berufskolleg attraktiver machen (Leitantrag III), d. h., dass

  • entsprechende Haushaltsmittel für Prämien und Zulagen für einzustellende Lehrkräfte mit Mangelfächern (wie z. B. Wirtschaftsinformatik) im Haushalt eingestellt werden,
  • der Beförderungsschlüssel auf das auch in NRW frühere Niveau (z. B. bei A15 auf 30 %) erhöht sowie die bereitgestellten Beförderungsstellen vollständig besetzt werden,
  • die Deckelung der Leitungszeit ab der 50. Stelle aufgehoben wird und
  • bis zum Jahr 2028 die Ausstattungsquote schrittweise durch zusätzliche Stellen auf 110 % für die Berufskollegs angehoben wird

Attraktive Weiterbildungsperspektiven sichern den hoch qualifizierten Fachkräftenachwuchs (Leitantrag IV), d. h., dass

  • in der Anlage E die Struktur der Angebote gestrafft wird und u. a. auch mehr asynchrone Distanzlernphasen (statt gegenwärtiger Selbstlernphasen) ermöglicht werden sowie
  • ein 1.200-stündiger Bildungsgang mit dem Abschluss Master professional als Weiterbildungsperspektive u. a. im Gesundheitsbereich und Mittelstand eingerichtet wird.

Nichtpädagogische Laufbahn für andere Professionen an Berufskollegs schaffen (Leitantrag V), d. h., dass

  • jedem Berufskolleg kurzfristig je angefangene 50. Planstelle, mittelfristig ab 2026 je angefangene 30. Planstelle eine Schulverwaltungsassistenz zur Verfügung steht, die nicht auf die Stellensituation angerechnet wird,
  • jedem Berufskolleg je angefangene 60. Planstelle eine Planstelle für Schulsozialpädagogik zur Verfügung gestellt wird, die nicht auf die Stellensituation angerechnet wird,
  • die Stellen für multiprofessionelle Teams proportional zu der Zahl der Klassen der Ausbildungsvorbereitung und der Klassen der BFS 1 und BFS 2 verteilt werden,
  • für die nichtpädagogischen Stellen anteilig Beförderungsstellen geschaffen werden, um so leistungsstarken Beschäftigten den beruflichen Aufstieg zu ermöglichen, und
  • es eine Wahlmöglichkeit bezüglich der Eingruppierung bei der Ausschreibung für die Laufbahn des nichttechnischen Dienstes (entweder Laufbahngruppe 1.2 oder/und 2.1) gibt, um motivierte Mitarbeitende gewinnen zu können.

Personaloffensive 2024 – dem Lehrkräftemangel vorbeugen (Leitantrag VI), z. B.

  • durch das Modell des dualen Masterstudiums für das Lehramt an Berufskollegs als neue Möglichkeit einer Regelausbildung für alle (großen) beruflichen Fachrichtungen,
  • durch Attraktivitätssteigerung im Vorbereitungsdienst für grundständig ausgebildete Absolventinnen und Absolventen,  z. B. durch die Einführung einer Wahlstation während des Vorbereitungsdienstes,
  • durch eine Flexibilisierung der bestehenden universitären Ausbildung, um einen Wechsel oder ein zusätzliches Studium zum Master of Education (z. B. aus einem Lehramt für Gymnasien) zu ermöglichen, und
  • durch die Wiedereinführung der Kombinationsmöglichkeit von großer beruflicher Fachrichtung (§ 5 Abs. 4 LZV) und einem allgemeinbildenden Unterrichtsfach.


Übergänge in die berufliche Bildung verbessern (Leitantrag VII), d. h. indem

  • Übergänge aus Sek.-I-Schulen verbessert und systema-tischer verankert,
  • Warteschleifen in Sek. I (Vollzeitschulpflicht analog § 37 Abs. 2 SchulG) verringert,
  • Doppelqualifizierung (Berufsabschluss und FHR) für Azubis vereinfacht und
  • mehr Perspektiven für schwache FOR Lernende eröffnet werden.

Gesundheitsschutz stärker ausbauen (Leitantrag VIII),
d. h. durch

  • ein Selbstbestimmungsrecht der Lehrkraft auch über voraussetzungslose Teilzeit,
  • ein betriebliches Gesundheitsmanagement in der Schule einzuführen,
  • einen weiteren Ausbau der individuellen Angebote der B.A.D., Unfallkasse und
  • eine landesweite systematische Erfassung von Gewalt gegenüber Lehrkräften.

Abbau der Ungerechtigkeiten zwischen tarifbeschäftigten und verbeamteten Lehrkräften (Leitantrag IX), z. B. durch

  • Einführung der stufengleichen Höhergruppierung bei Tarifbeschäftigten,
  • Einführung der Paralleltabelle und
  • Anpassung des Gehaltes tarifbeschäftigter Lehrkräfte.
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Hilmar von Zedlitz-Neukirch

Landesvorsitzender

 

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